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Bühnenfieber in Essen steigt von Woche zu Woche

Die Theatervereine müssen bereits im zweiten Jahr zwangspausieren. Der Spielwille ist groß, aber es gibt auch die Sorge,  dass die Zuschauer nach der Coronakrise nicht zurückkehren werden.

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Gerangel auf der Bühne: Turbulente Szenen soll es in Bevern (Foto) bald wieder geben. Foto: Sperveslage

Gerangel auf der Bühne: Turbulente Szenen soll es in Bevern (Foto) bald wieder geben. Foto: Sperveslage

„Chaos im Bestattungshaus“: So lautete der Titel des Dreiakters, den die Essener Theatergruppe im Herbst 2019 aufführte. Nomen est Omen. Die schwarze Komödie war das letzte Stück, das die Laiendarsteller vor der Coronakrise spielen konnten. Seit das Virus die Welt im Griff hat, herrscht auf den Bühnen Grabesstille.

Der Winter ist normalerweise die Hochzeit für Spielscharen, Theatervereine und Spälkoppeln. Bis ins Frühjahr hinein sorgen sie für Unterhaltung in den Dörfern - mal mit hintersinnigem Humor, mal mit Klamauk. 2020 mussten sie einen Großteil der angesetzten Aufführungen absagen. Jetzt blieben die Vorhänge komplett geschlossen und wann sie wieder aufgezogen werden, hängt einzig von der Pandemieentwicklung ab.

Verzicht auf Aufführungen unter Corona-Bedingungen

„Wir warten ab“, sagt Jens Espelage, der Vorsitzende der Theatergruppe „Bühne frei“. Seine Truppe hätte im vergangenen Jahr sogar im Saal Kellermann auftreten dürfen. „Damals waren 50 Besucher erlaubt“. Die Hygieneauflagen waren allerdings  sehr hoch, die Theaterleute verzichteten freiwillig. „Wir hatten  im Sommer entschieden, kein Stück einzustudieren“, sagt Espelage. Als die Infektionszahlen im Südkreis kurz danach steil nach oben gingen, sahen sich die Essener in ihrer Einschätzung bestätigt. Den Kontakt hält das Ensemble seit Monaten überwiegend digital. Zwar setzen Darsteller immer mal wieder ein Jahr lang aus. Wer aber einmal Blut geleckt habe, sehne die Rückkehr auf die Bühne herbei, weiß Espelage. „Alle sind heiß darauf. Und damit meine ich nicht nur die Schauspieler, sondern auch jene, die im Hintergrund mitarbeiten.“

Ob die Saison 2021 ebenfalls flachfällt, dürfte sich im Frühsommer entscheiden. Zunächst möchte Espelage die Stimmung unter seinen Mitstreitern erkunden. Anschließend könnten die Vorbereitungen beginnen, wobei zunächst ein Stück ausgesucht werden muss. Danach würden dann die Rollen verteilt. Zurzeit bleibt aber nur das Prinzip Hoffnung. „Wir setzen auf die Impfungen“.

"Wir bringen auch kurzfristig etwas zustande."Dorothee Siemer-Wollert

Während die Essener ihre Stücke auf Hochdeutsch spielen, fühlen sich die Nachbarn in Bevern der plattdeutschen Sprache verpflichtet. Turbulente Dreiakter sind ihre Spezialität. An Aufführungen unter Coronabedingungen hätten sie jedoch auch dann nicht gedacht, als sie möglich waren, betont Dorothee Siemer-Wollert. Einen vergnüglichen Theaterabend an abgegrenzten Zehnertischen und mit Sprechverbot konnten sich die Akteuere, die normalerweise vor bis zu 260 Menschen auftreten, beim besten Willen nicht vorstellen. Mit etwas Glück und ausreichend Impfstoff könnten die Beverner im September vielleicht wieder proben.

Noch wird darüber intern diskutiert. „Die Lust ist da“, bekennt Siemer-Wollert. Ihr geht das Herumsitzen langsam auf den Wecker. Trotzdem ist sie skeptisch, ob größere Veranstaltungen im Herbst wieder möglich sein werden. Viel Anlauf würden die Schauspieler aber nicht benötigen. „Wir bringen auch kurzfristig etwas zustande.“ Regisseur Ludger Gehrmann kann außerdem auf ein eingespieltes Team zurückgreifen. Die meisten Darsteller sind schon seit vielen Jahren dabei und halten der Gruppe die Treue.

Corona könnte sich in Stücken widerspiegeln

Sorge, dass sich Mitglieder nach so vielen Monaten der Kontaktbeschränkungen von ihren Vereinen innerlich entfernt haben, hat Maria Ramler. „Ich bin mir auch nicht sicher, ob unsere Zuschauer zurückkommen“, sagt die Vorsitzende des Theatervereins Evenkamp. Ihre eigene Spielschar hat sich aber nicht aufgelöst und wird, sobald es wieder geht, zum Proben zusammenkommen. Ohne Corona würde der Verein jetzt seine Vorstellungen geben. „Es sind immer intensive und schöne  Zeiten“, schwärmt Ramler. Im Februar 2020 stand die Gruppe kurz vor der Premiere. „Wir haben dann von uns aus abgesagt, weil wir die älteren Besucher nicht gefährden wollten“. Das Bühnenbild existiert noch und die Texte dürften schnell wieder in den Köpfen sein. Die Evenkamper könnten 2022 also ohne große Vorbereitungen ein Comeback feiern.

Dass die Pandemie Einfluss auf die Gestaltung der neuen Stücke haben wird, können sich die Theatermacher gut vorstellen. „Wir haben auch schon früher aktuelle Themen in die Handlung eingebaut“, erklärt Jens Espelage. Den einen oder anderen Seitenhieb werde es daher sicher geben. Sollte das Publikum dann lauthals über die Coronawitze lachen können, dürfte das Schlimmste überstanden sein.

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