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„Buddy & Soul“ vermissen ihr Publikum

Dem Akustikduo macht die Corona-Krise nicht nur in finanzieller Hinsicht zu schaffen. Ohne Auftritte leidet auch die Motivation.

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Untätig zuhause herumsitzen, ist nicht ihr Ding: Holger Bürgel und Calle Meinert haben ein Musikvideo für den Song „Schritt der Zeit“ aufgenommen. Foto: Heinzel

Untätig zuhause herumsitzen, ist nicht ihr Ding: Holger Bürgel und Calle Meinert haben ein Musikvideo für den Song „Schritt der Zeit“ aufgenommen. Foto: Heinzel

Das Akustikduo „Buddy & Soul“ hat wieder Bühnenluft geschnuppert. Im Autokino Vechta traten Holger Bürgel und Calle Meinert im Vorprogramm des Films „Bohemian Rhapsody“ auf. Doch das Gastspiel war nur ein kleines Trostpflaster für das, was die Musiker und ihre Branchenkollegen seit Beginn der Corona-Krise durchmachen. Sie leben von ihren regelmäßigen Auftritten. Und mit denen ist es seit Anfang März vorbei.

„In der Wahrnehmung dieser Krise spielen wir keine Rolle“, meint Holger Bürgel aus Vechta. Generell herrsche oft die gesellschaftliche Meinung vor, Musiker würden ihren Job als Hobby ausüben. Es fehle die Akzeptanz und Wertschätzung, dass das Ganze ein Beruf sei, fügt Calle Meinert aus Dinklage hinzu. Noch im Januar und Februar seien sie viel unterwegs gewesen. „Da war von der Krise noch keine Spur zu sehen“, erklärt das Duo. Von einem Tag auf den anderen sei es dann aus gewesen. Es hätte absolut keine Vorbereitungszeit gegeben. Für die ausgefallenen und abgesagten Auftritte sehen sie kein Geld. „Vier Wochen herrschte erst einmal Schockstarre“, sagen die beiden über den Beginn der Corona-Krise.

„Ich habe keinen Kostenapparat an der Backe“, sagt Holger Bürgel. Die Betriebskosten des 49-Jährigen sind praktisch seine Lebenshaltungskosten, und diese werden durch die sogenannte Soforthilfe des Landes nicht abgedeckt. Der Vechtaer und Calle Meinert fallen in dieser Hinsicht wie viele andere ihrer Berufskollegen durch das Hilfe-Raster und werden praktisch alleingelassen. Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer berufstätigen Frauen sähe die Lage noch wesentlich schlimmer aus.

Doch nicht nur ihnen als Berufsmusikern gehe es momentan miserabel, die gesamte Veranstaltungsbranche liege derzeit am Boden und kämpfe ums Überleben. „Es geht um den gesamten Wirtschaftszweig“, betonen die zwei Musiker. Von den Veranstaltern bis zu den Bühnentechniker. „Rücklagen zu bilden ist in diesem Business verdammt schwer, eigentlich nicht möglich“, sagt Calle Meinert. Prinzipiell würden sie in dem Zeitraum zwischen Frühling und Herbst das Geld verdienen, mit dem sie dann das ganze Jahr über die Runden kommen würden, denn im Winter sei sowieso jedes Jahr wenig bis gar nichts los. Darauf habe man sich eingestellt und entsprechend geplant. „Jetzt haben wir aber permanent Winter.“

„Seit Jahren leben Künstler nur noch von ihren Auftritten. CD-Verkäufe werden immer weniger, da inzwischen alles gestreamt wird“, berichtet das Duo. Für den Download eines Songs, für den der Kunde durchschnittlich einen Euro bezahle, erhielten sie 40 Cent. Der Rest gehe an die jeweilige Plattform und das Musiklabel. Damit blieben für Calle Meinert und Holger Bürgel jeweils 20 Cent übrig. Streaming lohne sich praktisch gar nicht, es diene eher dazu, Flagge zu zeigen und präsent zu sein. „Finanziell bringt das nichts“, so Holger Bürgel.

Auftritt im Autokino Vechta: Das Akustikduo Buddy & Soul“ spielte im Vorprogramm des Films Bohemian Rhapsody“. Foto: Schauburg CineworldAuftritt im Autokino Vechta: Das Akustikduo „Buddy & Soul“ spielte im Vorprogramm des Films „Bohemian Rhapsody“. Foto: Schauburg Cineworld

Einer ihrer bekanntesten Songs ist „Unser Gesicht“. Dieser haben ihnen nach sechs Jahren Einnahmen aus Download und Streaming in Höhe von 18 Euro eingebracht. Das entspricht neun Euro pro Person und auf ein einzelnes Jahr heruntergerechnet 1,50 Euro. „Wir machen nicht Musik, um viel Geld zu verdienen“, sagen sie, aber eine faire Einschätzung und Bezahlung ihrer Arbeit würden sie sich schon wünschen.

In Zeiten von Corona ist es schwer, sich seine Motivation zu bewahren. Ein Ende der Krise ist nämlich für „Buddy & Soul“ nicht in Sicht. Verlässliche Termine, wann sie wieder vor Publikum auftreten dürfen, wären sehr wichtig. Auftritte auf Privatfeiern für bis zu 100 Personen wären ein erster Schritt. Die beiden möchten nicht falsch verstanden werden, „die Entscheidungen, die bislang getroffen wurden, unterschreiben wir“, aber ihnen fehle aktuell für ihre Branche eine echte Perspektive oder ein Lösungsansatz für den Kulturbereich, um die Krise zu überstehen.

Band dreht Video zum Song „Schritt der Zeit“

Aber untätig zuhause herumsitzen, ist nicht ihr Ding. Im April haben sie die letzten Szenen für ihr Musikvideo zum Song „Schritt der Zeit“ gedreht. Das Ganze befindet sich nun in der Post-Produktion und wird geschnitten. Darüber hinaus basteln sie an einem neuen Progamm. „Wir wollen rockiger werden“, meint Calle Meinert. „Es gibt Stücke, die spielen wir seit 20 Jahren, da muss man sich auch irgendwann einmal von trennen“, ergänzt Holger Bürgel. Momentan hören sie sich die Musik der 1980er Jahre an. „Es ist eine wahnsinnig gute Musik, die damals gemacht wurde“, sagen die zwei. Aber das Ganze müssten sie erst einmal auf den Stil von „Buddy & Soul“ umschreiben und an die Anforderungen eines Akustik-Duos anpassen.

Der typische Sound der beiden Musiker, die 2018 das 20-jährige Bestehen der Band feiern konnten, ist Kult im Südoldenburger Raum. Aber Online-Auftritte oder Ähnliches sei für sie nicht die Lösung. „Wir sind Unterhaltungsmusiker. Wir brauchen unser Publikum.“ Ihr Weg sei daher, zu arbeiten und dranzubleiben, so dass sie sofort wieder loslegen können. „Ein echter Musiker hört nicht auf“, meint Holger Bürgel, „das ist eine Lebenseinstellung“.

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