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Breakfast in America

Kolumne: Das ganz normale Leben – Wie kommt man vom Thema Frühstück auf die Grammy Awards? Ganz einfach: über Supertramp!

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Während Sie diese Zeilen lesen, irre ich in den Straßen von New York umher. Das ist ein wunderbarer Familien-Trip, sorgt an jeder Ecke für neue Eindrücke und wirft pausenlos neue Fragen auf: Wie lange laufen wir von hier in die 43. Straße, wo ist die dämliche Geheimnummer meiner alten Kreditkarte, wer bietet hier mal ein Frühstück, das über den Hotel-Minimal-Standard hinausgeht?

Gab es nicht mal eine schöne Supertramp-Platte namens "Breakfast in America"? War da nicht vorne drauf ein mondäner Blick durchs Flugzeugfenster auf Manhattan und die Freiheitsstatue? Und ein Teller mit Toast-Sandwich und Spiegelei? "Deine Boomer-Platten sind Schnee von gestern, das hat sich längst verändert", feixt die Generation Z, "das ist doch alles 50 Jahre her." Nun, das junge Volk hat Unrecht: Die Platte ist erst 43 Jahre alt und gilt als Prog-Rock-Meisterstück, das mit 20 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten LPs aller Zeiten gehört.

"Solchen Frühstückspomp gibt es hier nur noch im Deli um die Ecke, 28 Dollar Minimum."Christian Bitter

Die darauf eingeritzten Lieder "Logical Song", "Take the Long Way Home" oder "Child of Vision" werden zum freien Ausdruckstanz bis heute in geheimen Rentnerzelten auf dem Stoppelmarkt gespielt. Das fällt auf im unerträglichen Ballermann-Einerlei der donnernden Anlagen rundum und macht neugierig: "Was ist das denn für schöne Musik?", fragte vor 4 Wochen eine 19-jährige Fladderlohauserin neben mir, als der DJ "Dreamer" auflegte. Sie wusste mit dem Namen Supertramp nichts anzufangen. Ich hielt einen kurzen Vortrag, sie zuckte mit den Schultern und ging ihrer Wege – in Richtung Niedersachsenhalle, wo Mickie Krause 50.000 Gäste bespaßte.

"Breakfast in America" und die anschließende Tournee führten Supertramp damals auch nach Bremen, wohin ich 1979 im Schweinebenz guter Freunde mit drei Visbekern anreiste, um meinem ersten großen Konzert beizuwohnen. Die Stadthalle war bis oben hin voll, der Eintritt lag bei 22 Mark, und Sound wie Atmosphäre dieser Show bilden nach wie vor die international leider nicht anerkannte Bittersche Messlatte erfolgreicher Liveacts. Supertramp performten gut gelaunt, spielten perfekt, unglaublich sauber und präzise und schossen eine Licht- und Dia-Projektions-Show ab, die wir als Lümmels vom Lande in dieser Pracht noch nie zuvor gesehen hatten.

Das englische Quintett war auf dem Gipfel seines Ruhms und schlichtweg eine Sensation. Das sahen nun nicht nur die Visbeker und ich so: 1980 erhielt das Album in den USA gleich zwei Grammy Awards, einen für die herausragende Abmischung und einen fürs Albumcover. Bei näherem Hinsehen erweist sich die stilisierte New-York-Skyline darauf als eine Sammlung sorgsam hindrapierter Salz- und Pfefferstreuer und Kaffeetassen und Eierkartons. Solchen Frühstückspomp gibt es hier nur noch im Deli um die Ecke, 28 Dollar Minimum. Schwamm drüber.


Zur Person:

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage.
  • Er studierte Germanistik und war Leiter der Werbe-Redaktion der OV.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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