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Brauchtum liegt Volkstänzern am Herzen

Ihr 50-jähriges Bestehen hätte die Volkstanzgruppe Saterland gern im großen Rahmen mit vielen anderen Gruppen gefeiert. Nun hoffen die Tänzer auf das nächste Jahr.

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Auftritt beim Ernteumzug. Fotos: Archiv Volkstanzgruppe

Auftritt beim Ernteumzug. Fotos: Archiv Volkstanzgruppe

Am 24. November 2020 hätte die Gruppe ihren 50. Geburtstag mit den Tanzgruppen aus dem Kreis Cloppenburg – der Seelter Dons- un Drachten­koppel, VTG Bösel und VTG Ellerbrock) – sowie anderen befreundeten Gruppen aus Jever, Bad Zwischenahn, Aurich, Ihrhove, Westerscheps und Benthullen feiern wollen. Befreundete Akkordeonspieler hatten zugesagt, bei vielen Gemeinschaftstänzen die Tänzer zu begleiten. Außerdem war ein DJ für den Abend engagiert worden.

Doch die Corona-Pandemie hat alle Pläne zunichte gemacht. Am 9. März hatte die Gruppe ihren letzten Übungsabend. Volkstanz ist in dieser Zeit fast nicht möglich, außerdem steht der Gruppe zurzeit kein Übungsraum zur Verfügung. Das Tanzen auf Pflaster im Freien ist keine Alternative und den Tänzern für einen ganzen Übungsabend kaum zumutbar. Viele Termine mussten gestrichen werden. Schweren Herzens hat die Volkstanzgruppe Saterland auch die Jubiläumsveranstaltung bereits vor einigen Wochen abgesagt.

Ein Blick zurück: Im Jahr 1970 versammelten die Zwillingsschwestern Gisela und Margret Wallschlag mehrere junge Leute um sich, um gemeinsam einige Volkstänze einzuüben. Damals gaben sie sich den Namen Volkstanzgruppe Strücklingen. Ostern 1971 wagten sich die jungen Tänzer zum ersten Mal während eines Altennachmittages im St.-Michael-Stift an die Öffentlichkeit. Durch die ersten Erfolge motiviert, wurden weitere Tänze eingeübt.

Heischegang: Die Volkstanzgruppe Saterland pflegt altes Brauchtum, wie hier den Bittgang.Fotos: Archiv VolkstanzgruppeHeischegang: Die Volkstanzgruppe Saterland pflegt altes Brauchtum, wie hier den Bittgang.Fotos: Archiv Volkstanzgruppe

Leider stand die Gruppe schon bald ohne Leitung da, denn Gisela und Margret Wallschlag verließen die Gruppe, sie heirateten und zogen von Strücklingen fort. Schwester Ämiliana übernahm für eine Übergangszeit die Leitung der Gruppe, sie fand als Nachfolgerin die Junglehrerin Hedwig Kröger, die allerdings bereits 1972 nach Vechta versetzt wurde– und wieder stand die Gruppe ohne Leitung da. Diesmal schaltete sich Pfarrer Gerken in die Suche nach einem Nachfolger ein. Im Frühjahr 1973 konnte er die Lehrerin Elfriede Deeken – damals noch Elfriede Thien – überzeugen. Sie ist der Gruppe und dem Volkstanz bis heute treu geblieben.

Bereits 1972 hatte sich die Truppe der Landjugendbewegung Strücklingen angeschlossen. Im Frühjahr 1978 beschloss die Gruppe, eine Tracht nach der historischen Kleidung der Saterländer zu tragen. Konsequenterweise wurde nun auch der Name der Gruppe in Volkstanzgruppe Saterland geändert. Die Tänzerinnen tragen bis heute die Jungmädchentracht, wie sie um 1850 im Saterland getragen wurde. Für die Herstellung wurden die Beschreibung von Julius Bröring aus dem Jahr 1897 und ein Foto von Wilhelmine Bitter aus dem Jahr 1900 benutzt.

Für die Herstellung der Herrentracht lagen der Gruppe Schilderungen aus Reisebrichten, ebenfalls aus der Zeit um 1850, und Gemälde von B. Winter vor. Die Tracht entspricht einer Schifferkleidung, die Sonntagskleidung der bessergestellten Bürger.

Heute sind in der Gruppe 28 Tänzer aktiv. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Sitten und Gebräuche der Heimat, die Sprache der Saterländer und besonders alte Volkstänze aus der Region zu pflegen und wieder bekannt zu machen. Die Gruppe tritt bei Jubiläen, Stadtfesten, Hochzeiten, Ortsveranstaltungen und vielen anderen Gelegenheiten auf. Dabei kann die Gruppe auf mehr als 100 einstudierte Volkstänze zurückgreifen. Zum Repertoire gehören auch einige Tänze aus der Kaffeehauszeit. Dann treten die Mitglieder mit Frack, Zylinder und Ballkleidern auf.

In Festkleidung beim Kramermarkt.In Festkleidung beim Kramermarkt.

Beschränkten sich die Aktivitäten der Gruppe in den ersten 25 Jahren mehr auf die umliegenden Gebiete, entdeckten die Mitglieder mehr und mehr die Reiselust. Die Teilnahme an den Tag der Niedersachsen ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, ebenso wie an den Europeaden – ein jährliches Treffen der Volkstanzgruppen Europas in verschiedenen Ländern. Die Großveranstaltungin diesem Jahr in Klaipeda in Litauen musste ebenfalls abgesagt werden.

Trotz der Zwangspause bleiben die Mitglieder in ständiger Verbindung und hoffen, dass nach den Wintermonaten wieder Volkstanz möglich ist. „Es wäre schade, wenn wegen der langen Pause Tänzer und Tänzerinnen nicht mehr zu den regelmäßigen Übungsabenden kommen und ihr Hobby aufgeben würden. Das Jahr 2020 wird allen in Erinnerung bleiben. Hoffentlich können die Volkstänzer dann im Jahr 2021 ihr Jubiläum nachfeiern. Der Saal ist auf jeden Fall schon reserviert“, erklärt Elfriede Deeken.

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