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„Blut ist eben doch dicker als Wasser“

Renate Berger ist eine Heimatvertriebene. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der neuen OV-Serie Heimat.Los.

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Renate Berger aus Bohmte ist Rentnerin. Die 71-Jährige wurde in Greifswald geboren. Ihre Gedanken zur Heimat:

„Meine erste Heimat war nie meine Heimat. Denn ich bin das, was man Heimatvertriebene nennt. Geboren bin ich in Greifswald 1942, mitten im Krieg. Meine Mutter kommt aus Pommern, mein Vater aus Polen. Ich bin ein uneheliches Kind. Und ich habe meine Eltern fast sofort verloren. Meine Mutter wurde 1945, in den letzten Kriegstagen, von den Russen nach Sibirien verschleppt. Da hat mich meine Pflegemutter zu sich genommen. Die hatte entfernte Verwandte im Kreis Vechta. So landeten wir als Flüchtlinge 1947 in Steinfeld, in Schemde. Das wurde zu meiner wirklichen Heimat. Das Fundament meines Lebens, das mir eine Stabilität für das richtige Leben gab.

Heimat bedeutet für mich zuerst und vor allem die Erinnerung an die Kindheit, an die Schulzeit, an die Jugendjahre. Die Zeit bei meinen Pflegeeltern in Schemde. Jetzt lebe ich in Bohmte. Das ist mein Zuhause – die verschiedenen Wohnorte.

Heimat sind für mich die Menschen, mit denen ich zusammen aufgewachsen bin. Wenn ich heute zu einer Feier, einem Treffen in den Kreis Vechta fahre, und da sind die Bekannten von früher – dann bin ich noch genau die Renate von früher. Ich bin ja kein Schützenfest-Typ, aber die Sitten und Gebräuche, die Mentalität im Kreis Vechta: das ist mir alles sehr vertraut.

Die Natur? Früher war da ein kleiner Bach, es gab Brombeersträucher, Ginsterbüsche und eine Wiese voller Wiesenschaumkraut. Das gibt es so nicht mehr. Das ist ein Verlust.

Ich habe meinen leiblichen Vater erst 1989 wiedergefunden, bei Stettin, im ehemaligen Greifenhagen. Der richtige Vater – doch, da hatte ich ein ganz starkes Gefühl der Zugehörigkeit. Blut ist eben doch dicker als Wasser. Aber ich hatte eben auch eine sehr gute Pflegemutter. So kannte ich in Steinfeld überhaupt nicht das Gefühl von Heimatlosigkeit.

Mein Mann, der vor drei Jahren gestorben ist, war genau wie ich ein Flüchtlingskind. Aus Ostpreußen. Und auch er war Vollwaise. Das war bestimmt ein starkes Bindeglied. Wir haben wohl die Heimat jeweils im anderen gesehen – und wir haben zusammen unsere Heimat in der Familie gefunden.“

  • Das Projekt Heimat.Los der OV und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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