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#Bildratenbekenntnis

Kolumne: Irgendwas mit # - Das Kino ist ein magischer Ort. Doch Corona macht es Filmfans derzeit schwer. Wie gut, dass ein Film sich jetzt vorwagt.

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Zugegeben, unter anderen Umständen hätte ich mir den neuen Christopher Nolan-Streifen "Tenet" wahrscheinlich nicht im Kino angesehen. Ich bin angesichts der Kosten für einen Kino-Besuch ziemlich wählerisch, wenn es darum geht, einen Film auf der großen Leinwand mitzuerleben. Ich muss wirklich überzeugt sein, dass es mir gefallen wird. Der Trailer für "Tenet" hatte mich eigentlich nicht besonders gepackt. Da der Regisseur von "Inception" und "Batman" in der Regel ein Garant für ordentliches Entertainment ist, habe ich sein neuestes Werk am vergangenen Wochenende trotzdem im Kino gesehen. Um meinen Beitrag als Filmfan zu leisten, sozusagen.

Wie ich den Film letztlich fand, verrate ich nicht. Nur dies: Es lohnt sich durchaus, für diesen Film ins Kino zu gehen. Allein der Sound ist Nolan-typisch bombastisch, und den kann bislang kein Heimkino so gut transportieren, wie es das Kino kann. Außerdem ist es derzeit vermutlich kaum woanders besser möglich, Menschen außerhalb der eigenen 4 Wände aus dem Weg zu gehen. Stichwort Infektionsschutz: Ich fühlte mich wohl.

Der letzte Besuch ist echt schon eine Weile her. Seit "Die Eiskönigin 2" im vergangenen Dezember bin ich nicht mehr im Kino gewesen. Ich schaue gerne Filme, und einen im Kino zu sehen ist für mich nach wie vor etwas Besonderes. Wer sich dafür entscheidet, ins Kino zu gehen, nimmt sich explizit Zeit für den Film. Es gibt keine Ablenkungen, und der Saal macht es einem leichter, sich dem Film mit allen Sinnen zu widmen. Das könnte natürlich an der riesigen Leinwand und dem modernen Sound-System liegen. Aber ich bilde mir ganz romantisch eine eigene magische Atmosphäre ein, die es so beim Filmeschauen nur im Kino geben kann.

"Funktioniert ein Blockbuster auch in Pandemie-Zeiten? Gewagt."Carina Meyer, Redakteurin

Ich wollte "Tenet" ja ursprünglich gar nicht im Kino sehen, richtig. Mit meinem Besuch belohnte ich sozusagen den Mut des verantwortlichen Produktionsstudios. Warner Bros. hatte den Starttermin für "Tenet" immer wieder verschoben. Der Grund ist - natürlich - die Corona-Pandemie. Weltweit hatten Kinos geschlossen, in den USA ist das teilweise noch immer so. Wer öffnen darf, darf seine Säle wegen der Hygiene-Maßnahmen nicht voll auslasten. Die Studios fürchten große Verluste - die Produktion war schließlich sehr teuer -, und deshalb warten sie mit den Veröffentlichungen der großen Blockbuster. Zum Leidwesen der Kinobetreiber. Berühmtestes Beispiel: James Bond. Ursprünglich sollte "Keine Zeit zu sterben" im April anlaufen, jetzt wird es voraussichtlich im November so weit sein. Drücken wir die Daumen.

"Tenet" dagegen wird momentan in internationalen Kinos aufgeführt. Ab Donnerstag soll er auch in ausgewählten US-amerikanischen Kinos gezeigt werden. Es ist also eine Art Experiment. Funktioniert ein Blockbuster auch in Pandemie-Zeiten? Gewagt. Schließlich hatte das Kino auch vor Corona schon so seine Schwierigkeiten. Deshalb beobachtet die Filmbranche vermutlich ganz gespannt die Entwicklung und Resonanz.

Disney nutzt eine andere Strategie

Disney geht etwa zeitgleich einen ganz anderen Weg. Der Kinostarttermin für "Mulan" wurde ebenfalls immer wieder verschoben. Das Unternehmen entschied sich letztlich dafür, die teure Realverfilmung des beliebten Zeichentrickklassikers ab Freitag auf dem hauseigenen Streamingdienst Disney+ bereitzustellen - allerdings zum Preis von 30 Dollar (21,99 Euro in Deutschland). Das soll einen Teil der Kosten decken. Dieser Schritt ist nicht unumstritten. Zwar wird damit argumentiert, dass ein Kinobesuch für die ganze Familie teurer sei, aber das überzeugt nur wenige. Das Abonnement für Disney+ koste schließlich ebenfalls Geld, entgegnen die Kritiker. Exklusive Inhalte für den Streamingdienst seien zudem zuvor in dieser Form nicht kommuniziert worden. Zusätzlich wird den Kinobetreibern ein wichtiger Film genommen. 

Die kommenden Wochen werden zeigen, welches Konzept die meisten Früchte trägt. Ich für meinen Teil warte, bis "Mulan" zum regulären Angebot von Disney+ übergeht. Schade, dass diese Heldin der Kindheit es hierzulande nicht auf die große Leinwand schafft. Ein magischer Moment weniger.

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