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Bildhauer zeigen in Vechta feine Kunst mit der Kettensäge

Zum Auftakt des Symposiums in Vechta stellen fünf Künstler ihre Werke im Kaponier aus. Viele der Skulpturen sind gegenständlich. Aber auch Abstraktes regt die Fantasie an.

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Sehenswerte Ausstellung im Kaponier in Vechta: Die Bildhauer Uwe Oswald, Peer Oliver Nau und Ulrike Gölner (von rechts) bewundern eine Arbeit ihres abwesenden Kollegen Reinhard Osiander, der aus einem Baumstamm die Figur des Heiligen Erzengel Michael herausgearbeitet hat. Foto: Speckmann

Sehenswerte Ausstellung im Kaponier in Vechta: Die Bildhauer Uwe Oswald, Peer Oliver Nau und Ulrike Gölner (von rechts) bewundern eine Arbeit ihres abwesenden Kollegen Reinhard Osiander, der aus einem Baumstamm die Figur des Heiligen Erzengel Michael herausgearbeitet hat. Foto: Speckmann

Tote Äste aus Baumkronen entfernen, mächtige Stämme zu Kaminholz verarbeiten, Holzbalken auf der Baustelle zuschneiden: Es sind meistens Arbeiten fürs Grobe, bei denen eine Motorkettensäge zum Einsatz kommt. Dass sich mit dem Gerät auch ganz feine Werke herstellen lassen, beweisen fünf Bildhauer in Vechta. Sie treffen sich zu einem Symposium und veranstalten parallel eine Ausstellung im Kaponier.

Uwe Oswald, der als Vorsitzender des Kunstbeirates im Kunstverein Kaponier die Strippen zieht und sich als Bildhauer auch selbst einbringt, sorgt für einige Hingucker in der vielfältigen Ausstellung. Unter dem Motto „Die Welt steht Kopf“ setzt er winzige Tiere in Szene. Als Grundlage für Kuh, Pferd, Ziege oder auch Wildschwein dienen meistens grobe Eichenstämme, die der Barnstorfer fast ausschließlich mit der Motorsäge bearbeitet.

Für Künstler ist es nicht das este Symposium

Der Aufbau seiner tierischen Kunstwerke bedarf keiner Kraftanstrengung. Ein Mitstreiter aus Mecklenburg-Vorpommern hat hingegen schwer zu schleppen, als er mit seinem Transporter am Kaponier vorfährt. Peer Oliver Nau präsentiert einen mächtigen, zweiteiligen Strauß. Bei der Montage kommt der lange Hals zur Geltung. Er ist verdreht, als wenn der Vogel neugierig um die Ecke schauen würde.

Für den Bildhauer aus Schattin bei Lübeck, der schon vor einigen Jahren am Symposium in Goldenstedt teilgenommen hat, geht es bei der Kunst nicht vordergründig um eine natürliche Abbildung der Realität, sondern in erster Linie um die Theatralik des Augenblicks. Seine Skulpturen sind Ausdruck wiedergewonnener Kindlichkeit und pointieren die sensiblen Seiten des menschlichen Daseins.

Abstrakt: Eine Pflanze von Ulrike Gölner aus Martfeld. Foto: SpeckmannAbstrakt: Eine Pflanze von Ulrike Gölner aus Martfeld. Foto: Speckmann

Charlott Szukala aus Dobis bei Halle an der Saale arbeitet grob und skizzenhaft. Bei ihren Werken handelt es sich größtenteils um körperliche Darstellungen von Frauen und Männern. Sie sind in Bewegung. Sie tanzen, rennen, springen oder kämpfen. Die Formen werden hin und wieder abstrakt, setzen sich im Holz immer mehr durch den geraden Sägeschnitt aus geometrischen Anordnungen zusammen. Durch das Spiel mit dem Zufall werden Risse provoziert, ebenso ist die Textur der Sägespuren im Holz sichtbar.

Derweil greift Reinhard Osiander alltägliche Motive auf. Es sind Darstellungen von Mensch, Tier und Natur. Seinen schon aus der Jugendzeit herrührenden Bezug zur Kirche verarbeitet er in zwei Ministranten. Sehenswert ist auch die Gestalt des Heiligen Erzengel Michael. Was den in Bremen und Füssen lebenden Bildhauer in der Szene von vielen Kollegen abhebt, ist die Vorliebe für Reliefarbeiten. Auch davon können sich die Besucher ein Bild machen.

Ab Montag geht es an die Arbeit

Eine Ausnahmeerscheinung ist Ulrike Gölner aus Martfeld im Landkreis Diepholz. Im Gegensatz zu den übrigen Teilnehmern des Symposiums setzt sie nicht auf gegenständliche Kunst, sondern entwickelt abstrakte Formen, die vorwiegend an die Natur angelehnt sind. Aus Eiche, Esche oder Ulme entwickelt sie mit schmalem Sägenschwert zum Teil äußerst feinblättrige Pflanzen. Einen konkreten Namen haben die Werke nicht, weil die Künstlerin der Fantasie der Betrachter nicht vorgreifen möchte.

Die fünf Künstler stellen insgesamt mehr als 30 Werke aus. Eine Vernissage wird es an diesem Sonntag mit Rücksicht auf die Corona-Verordnung nicht geben. Aber es liegt ein Text von Jürgen Weichardt zur Einführung in die Ausstellung aus. Von 15 bis 18 Uhr haben die Besucher die Gelegenheit zum Gespräch mit den Bildhauern. Ab Montag werden sich die Akteure dann auf einem abgesperrten Platz am Gulfhaus an die Arbeit machen.


Ausstellung ab Sonntag

  • Die Werkschau findet vom 13. September bis 4. Oktober statt. Die Öffnungszeiten sind dienstags, mittwochs und freitags, jeweils von 16 bis 18 Uhr, donnerstags von 18 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 13 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr.

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