Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Bei 30 Grad Außentemperatur sind die 1200 Grad unter den Füßen kaum spürbar

Ziegelproduktion heute und gestern: Der Heimatverein Damme besichtigt das Olfry-Werk und Ziegeleimuseum. Höhepunkt war der Gang über einen Brennofen.

Artikel teilen:
Viele spannende Eindrücke: Das imposante Olfry-Verwaltungsgebäude mit der Dammer Heimatvereinsgruppe, die zu einer Besichtigung vor Ort war. Foto: Friemerding

Viele spannende Eindrücke: Das imposante Olfry-Verwaltungsgebäude mit der Dammer Heimatvereinsgruppe, die zu einer Besichtigung vor Ort war. Foto: Friemerding

Ziegelproduktion heute und gestern, so könnte die Tagesexkursion des Heimat- und Verschönerungsvereins „Oldenburgische Schweiz“ beschrieben werden, die 25 Interessierte erst zum Olfry-Werk nach Vechta und später zum Ziegeleimuseum auf Gut Daren bei Bakum führte. Seniorchef Wilhelm Georg Freiherr von Frydag übernahm persönlich die Führung über das weitläufige Werksgelände mit seinen ausladenden Hallen an der Friesenstraße.

Zunächst geht es durch das Materiallager

Natürlich ging es zunächst durch das Materiallager mit seinen vielfältigen Rohstoffen, wobei er betonte, dass der Großteil des benötigten Tons aus eigenem Vorkommen stamme. Dem folgte die Aufbereitungsanlage, in der diese Rohstoffe gemischt, teilweise zerkleinert oder gar zermahlen wurden. Über eine Steuerungsanlage erlebten die Dammer die drei Walzwerke, in denen das Material in die gewünschte Konsistenz gebracht wird. Das angeschlossene Labor nimmt dann die Produktionskontrolle vor: Proben der Rohstoffe, der aufbereiteten Ziegelmasse, des Feuchtigkeitsgehalts und der vorgegebenen Materialzusammensetzung sowie der Ziegelmaße haben die Mitarbeiter dort ständig zu überprüfen, um eine optimale Qualität zu gewährleisten. Aus der folgenden Pressanlage, der sogenannten Strangpresse, geht der Transport der noch einheitlich grau aussehenden Steine in die Trocknung, um dann mit einem Ofenwagen auf Schamott-Steinen in den Brennofen zu fahren.

Als pikanten Höhepunkt durften die Gäste über den Brennofen gehen, während unter ihnen bis zu 1200 Grad Celsius Hitze herrschte. Doch die knapp 30 Grad Celsius machten sich angesichts der tags zuvor herrschenden Außentemperaturen kaum bemerkbar. Den Abschluss bildete dann der Gang über die ausgedehnten Außen-Lagerflächen, auf denen riesige Chargen unterschiedlicher Ziegelsteine auf Paletten aufgetürmt waren – je nach den erfolgten Aufträgen zusammengestellt.

Am Nachmittag geht es zu Gut Daren

Am Nachmittag zog es die Dammer Gruppe nach Gut Daren, wo von Frydag bereits vor dem Ziegeleimuseum in der Nähe seines barocken Wasserschlosses wartete, um seine private Sammlung von einst gebräuchlichen Maschinen, Werkzeugen und Ziegelei-Produkten aus mitteleuropäischen Regionen, vornehmlich aus Deutschland und natürlich aus der eigenen Firmenentwicklung, zu erklären. Tatsächlich stammen die ältesten Exponate, sogenannte Leistenziegel, aus der Römerzeit des einstigen Moguntia, des heutigen Mainz.

Beeindruckend schon gleich im Eingangsbereich eine geneigt aufgehängte Sammlung von Dachziegeln aus diversen Jahrhunderten – ein Hinweis auf das Potenzial dieser Ausstellung, denn sie umfasst immerhin fast zwei Jahrtausende. Ein Highlight ist eine handbetriebene Kasten-Presse von 1870, die zeigt, wie kräftezehrend und mühsam die Ziegelformung noch vor 150 Jahren war. Entlang der Innenwände findet sich ein historischer Querschnitt durch die Ziegeleigeschichte allgemein und speziell zum eigenen Betrieb anhand einer enormen Bandbreite an Abbildungen, an vielfältigsten Ziegelprodukten, Plänen, Geräten und Werkzeugen und vor allem allerlei Raritäten.

Eine umfangreiche Bibliothek an Fachbüchern, Materialien zum Thema und Dokumenten gehört ebenfalls zum Museum. Heimatvereinsvorsitzender Wolfgang Friemerding bedankte sich bei dem historisch so versierten Freiherrn mit einer Dokumentation zur 1962 geschlossenen Ziegelei Stölting in Damme-Wempenmoor, die dessen Sammlung komplettierte.

Zeit für ein Update! Mit der jüngsten Überarbeitung unserer App haben wir das Nachrichten-Erlebnis auf dem Smartphone weiter verbessert und ausgebaut. Jetzt im Google-Playstore und im  Apple App-Store updaten oder downloaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Bei 30 Grad Außentemperatur sind die 1200 Grad unter den Füßen kaum spürbar - OM online