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#Beethoven – Von Wien nach Osnabrück

Kolumne: Irgendwas mit #

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Das deutsche Sprichwort „Zwei Idioten, ein Gedanke“ übersetzt sich im Englischen ins erheblich freundlichere „Great minds think alike“ – „Große Geister denken ähnlich“. Doch das muss nicht immer stimmen, wie die Überlieferung einer Begegnung zweier Klassiker zeigt: Johann Wolfgang Goethe, der Dichterfürst, traf im Jahr 1812 im böhmischen Teplitz (heute: Teplice) auf das Musikgenie Ludwig van Beethoven.

Doch Goethe, der in der Literatur den Höhepunkt der Weimarer Klassik darstellt, und Beethoven, der als Komponist das Scharnier zwischen Wiener Klassik und Frühromantik bildet, konnten einander nicht ausstehen. Goethe fand die Begegnung mit seinem Gegenüber „unersprießlich“. Beethoven nannte den Geheimen Staatsrat aus Weimar gar eine „Hofschranze“. Doch unumwunden soll hier zugegeben werden: Wir schätzen beide, den Dichter Goethe wie den Komponisten Beethoven. Dessen 250. Geburtstag wird ja gegenwärtig landauf, landab gefeiert: Die Qualitätszeitungen produzieren Beethoven- Serien, das Radio sendet Sonderprogramme und Orchester passen ihren Spielplan an.

In Osnabrück etwa wurden am vergangenen Wochenende acht von neun Sinfonien Beethovens aufgeführt. Nur die bahnbrechende Neunte fehlte, sie war bereits am Neujahrstag in Osnabrück gespielt worden. Die Symphoniker unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Andreas Hotz zeigten gerade durch die komprimierte Aufführung der acht Kompositionen, wie sich Beethovens Schaffen innerhalb von acht Jahren – von 1800 bis 1808 – verändert hat und damit die Musik revolutioniert hat.

„In Beethovens dritter Sinfonie, die angeblich zunächst Napoleon gewidmet werden sollte, klingt die Romantik schon an“Philipp Ebert, Volontär

Unterhaltsam, zahm, gleichwohl ideenreich kamen am ersten Abend die Erste, Zweite und Vierte daher. In der Dritten, die angeblich zunächst Napoleon gewidmet werden sollte, klingt die Romantik schon an.

Der zweite Abend bringt dann die Revolution: mit der Sechsten, der „Pastoralsinfonie“ zeigten die Symphoniker den Beginn der Programmmusik, der später etwa Bedřich Smetana mit dem berühmten Stück „Die Moldau“ folgte.

Mit der monumentalen Fünften folgten die Musiker Beethoven dann in die Frühromantik. Der Anfang dieser „Schicksalssinfonie“ gehört wohl zu den bekanntesten Akkorden der Welt. Gerade deshalb aber besteht manchmal die Gefahr, dass das Werk übersehen wird. Zu populär, meinen einige Kenner, sei es, um es überhaupt noch zu spielen. Beweis gefällig? Die Osnabrücker Symphoniker spielten die Fünfte zuletzt vor 15 Jahren!

Es folgten noch die kurze Achte und die rhythmische Siebte. Und all das zeigte: Gerade in der Zusammenschau aller Sinfonien wird die ungeheure Entwicklung der Musik des großen Komponisten deutlich. Schade, dass es solche Reihen fast nur zu Jubiläen gibt. Freuen wir uns also auf Beethovens 300. Geburtstag im Jahr 2070.

Zur Person:

  • Philipp Ebert ist Volontär der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@om-online.de.

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