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Auf den Spuren eines Hits

Kolumne: Batke dichtet – Bei Recherchen im Netz treffe ich unverhofft auf die "Amigos". Die Begegnung mit den Schlager-Oldies weckt Erinnerungen an die eigene Vergangenheit.

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Manchmal sind die Wege des Netzes unergründlich. Wie um Himmels Willen bin ich bei meiner Recherche bei den "Amigos" gelandet? Unter 60-Jährigen sei erklärt, dass es sich dabei um die schon ein wenig betagteren Brüder Bernd (71) und Karl-Heinz Ulrich (73) handelt, die mit volksmusikalischem Liedgut recht erfolgreich unterwegs sind. 2021 wurden die Barden als "erfolgreichstes Schlager-Duo der Welt" ausgezeichnet, zu ihrem 50-jährigen Bühnen-Jubiläum im Mai 2020 widmete die Deutsche Post ihnen gar eine Briefmarke.

Lange Rede, kurzer Sinn: Auf meinem Monitor tauchten jedenfalls wie von Geisterhand gesteuert jene "Amigos" auf; eingebettet in Ivo Robics "Mit 17 fängt das Leben erst an“ und Chris Roberts', "Du kannst nicht immer 17 sein" wurde mir das YouTube-Video des Hits "Wenn wir noch einmal 16 wär'n“ ans Herz gelegt. Ich konnte nicht widerstehen, drückte auf "Start" und war schon ein wenig verwundert, als die biederen Herren davon sangen, wie "frei und verrückt" man damals mit 16 gewesen und mit "Rock'n Roll und Wind in den Haaren" durch das Leben gekreuzt sei. Vermutlich auf getunten Mofas.

Aus dem Mecki-Schnitt wird eine veritable Matte

Stellt sich für mich die Frage: Wie habe ich als 16-Jähriger das Leben wahrgenommen – zumal ich ja auch halbwegs der "Amigos"-Generation entstamme? Und es sind "runde" 50 Jahre her. Ein Grund mehr, sich an ein turbulentes Jahr 1972 zu erinnern. Und das mit dem Rock'n Roll und den Haaren war tatsächlich nicht unerheblich. Statt Sweet und Middle of the Road führten die Doors und Neil Young die persönlichen Charts an. Und aus dem Mecki-Schnitt der Jungenzeit erwuchs eine veritable Matte.

Apropos Mathe: Damit (also mit der Mathematik) hatte ich nun wirklich nichts am Hut. Es muss wohl eine Art pubertäres Aufbegehren gewesen sein, dass ich mich weigerte, die meisten der in den Klassenarbeiten gestellten Fragen zu beantworten und schon früh den Datenschutz auf meine Art interpretierte. Das war zwar hinsichtlich meiner Versetzung kontraproduktiv, trug aber zur Persönlichkeitsbildung bei.

"Was soll man sich auch über vergeigte Mathearbeiten aufregen, wenn das Leben mit 16 so viel mehr zu bieten hat?"Alfons Batke, Kolumnist

Was soll man sich auch über vergeigte Mathearbeiten aufregen, wenn das Leben mit 16 so viel mehr zu bieten hat? Wie zum Beispiel unsere Nationalmannschaft, die 1972 den wohl schönsten Fußball aller Zeiten spielte. Oder die Erkenntnis, dass es nicht nur ein anderes Geschlecht gibt, sondern man es auch spüren kann. Worin sich einige meiner Klassenkameraden dann auch recht schwungvoll übten, als wir während einer einwöchigen Klassenfahrt nach Amsterdam mit einer Mädchenklasse aus Leeds die Herberge teilten. Womöglich entstand seinerzeit die Drehbuchvorlage zum späteren Kinohit "Her mit den kleinen Engländerinnen".

Genug gescherzt. Wenn ich richtig drüber nachdenke, lagen die "Amigos" ziemlich richtig darin, unser Credo in dieser Lebensphase als "frei und verrückt" zu besingen – jedenfalls hatten wir einen solchen Eindruck. 50 Jahre ist das jetzt her, ein halbes Jahrhundert. Erinnerungen an 1972, als die Welt gefühlt noch heil und der Krieg noch kalt war.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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