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„Auf dem Land haben es die Leute viel besser“

Jerry Smith ist in Vechta zu Hause. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat. Heute startet eine tägliche Serie in der OV.

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Der gebürtige Kanadier Jerry Smith ist Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) im Ruhestand. Er ist 65 Jahre alt und lebt in Vechta. Hier seine Gedanken zur Heimat:

„Im Englischen gibt es kein Wort für Heimat. Dieses deutsche Wort bedeutet vielmehr als das englische Wort ,country’. Heimat meint auch die Familie, die kulturellen Wurzeln, das Land, in dem man aufgewachsen ist, und die Erinnerung an die eigene Kindheit.

Meine Wurzeln liegen in Kanada. Dort bin ich auf dem Lande als eines von sieben Kindern aufgewachsen. Als Schüler habe ich in den Ferien in den Obstplantagen und Tabakfeldern gearbeitet. Meine Oma hat 34 Jahre lang in der katholischen Kirche die Orgel gespielt. Mit 17 Jahren bin ich zur Uni gegangen und nicht wiedergekommen. Ich habe aber regelmäßig meine Großeltern und Eltern besucht. Ich hätte immer zurückkommen können. Manchmal hatte ich Heimweh.

Ich habe für die Vereinten Nationen und die kanadische Regierung in der ganzen Welt gearbeitet. Überall dort, wo ich mit meiner Familie gelebt habe, ist ein Stück Heimat von mir. Pakistan, Frankreich, Österreich, Israel, Deutschland. Alle diese Länder sind Teil meiner Identität geworden.

Ich habe die Sprache gelernt und die Menschen schätzen gelernt. Mein Motto war immer: Setz dich hin, schau, was die Leute essen, trinken und tun, und versuche, es zu verstehen. Unsere zwei Jungs leben in Hamburg und Bonn. Sie sprechen vier Sprachen und würden sich sicher als Weltbürger bezeichnen. Sie haben mehrere Heimaten: Kanada, Deutschland, Frankreich, der jüngere zum Beispiel lebte am liebsten in Pakistan.

Hier in Vechta auf dem Lande haben die Menschen es viel besser als in der Stadt. Materiell sind die Leute ärmer, aber das Leben ist reicher. Die Familien sind sehr stark. Die jungen Leute wissen gar nicht, wie gut es ihnen hier geht.

In Vechta habe ich 1974 meine Frau kennengelernt. Danach haben wir jedes Jahr in Vechta Urlaub gemacht. Die Stadt ist meine zweite Heimat geworden. Sie ist ein guter Ort für meine Familie. Hier haben wir gemeinsam mehr Zeit verbracht als in Kanada. Die Menschen sind freundlich, du hast als Ausländer immer ein gutes Gefühl.“

  • Das Projekt Heimat.Los der Oldenburgischen Volkszeitung und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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