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Alte Verkehrsschilder dienen als Leinwand

In einem 3-tägigen Graffiti-Workshop in der Kunsthalle Cloppenburg kreierten 8 Jugendliche Kunstwerke zum Thema Rassismus. Am Donnerstag sind die Ergebnisse während einer Vernissage zu sehen.

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Fine Markus benutzt das Schild als Leinwand. Foto: Heinzel

Fine Markus benutzt das Schild als Leinwand. Foto: Heinzel

Es klackert lautstark als Victoria-Constanze Tyzak ihre Spraydose kräftig schüttelt, um Farbe und Gas gut zu vermischen. In der Kunsthalle des Kulturbahnhofes in Cloppenburg sprüht sie gerade ein Verkehrsschild mit grauer Farbe ein. So schafft sie den Hintergrund für einen Handabdruck und den Schriftzug equALLity. Gemeinsam mit ihrer Cousine Marie-Sophie Berlin nimmt sie an einem 3-tägigen Graffiti-Workshop teil. Dort entstehen aus alten Verkehrsschildern Kunstwerke zum Thema Rassismus. Geleitet wird die Veranstaltung von Mika Springwald.

Das Event „Vorfahrt für Vielfalt Graffiti-Workshop“ im Rahmen des 21. Cloppenburger Kultursommers wurde vom Kunstkreis Cloppenburg und dem Schutzengelprojekt des Landkreises Cloppenburg organisiert. Am heutigen Donnerstag endet der Workshop mit einer Vernissage. Start ist um 15 Uhr in der Kunsthalle. Von jedem Künstler werden dabei mehrere Werke zu sehen sein.

Hier dient das Verkehrsschild nicht als Leinwand, sondern das Symbol wird für die Botschaft genutzt. Foto:HeinzelHier dient das Verkehrsschild nicht als Leinwand, sondern das Symbol wird für die Botschaft genutzt. Foto:Heinzel

Mit Marie-Sophie Berlin, Victoria-Constanze Tyzak, Matilda Kröger, Theresa Dröge, Carl Kache, Franz Hofrogge, Silvana Walz und Fine Markus beschäftigen sich 8 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren damit, Botschaften zum Thema Rassismus auf Verkehrsschildern unterzubringen. Eine große Herausforderung, denn alle Teilnehmer haben noch nie gesprayt – und stehen nun vor kleinen Formaten. Das erfordere viel gedankliche Vorarbeit und die richtige Technik, so Mika Springwald. „Sprühen ist eigentlich großflächig“, sagt der 50-Jährige.

Sprayen sei eine kalligrafische Übung

Bei den Verkehrsschildern gebe es prinzipiell 2 Möglichkeiten: entweder das Schild als Leinwand oder das Symbol des Schildes zu verwenden. Dabei müssen sich die jungen Sprayer darüber klar werden, welchen Hintergrund sie haben wollen, was sie darauf sehen und wie sie dies auf das Schild bringen wollen – also welche Technik sie anwenden möchten. Mika Springwald setzt dabei auf Schablonen oder Abkleben. „Auf einem so kleinen Feld ist wenig Freestyle möglich“, sagt er. Eine Schablone gebe zudem eine höhere Wiedererkennbarkeit. Er spricht vom Klassiker bei der Arbeit ohne Schablone: „Groß anfangen und dann passt zum Schluss der Platz nicht.“

Marie-Sophie Berlin und Victoria-Constanze Tyzak probieren es bei ihrem ersten Werk mit der Schablonentechnik. Ihre Meinung zum Workshop ist klar: „Es ist eine Superaktion und so können wir unsere Zeit sinnvoll und kreativ nutzen.“ Die Cousinen wollen als Botschaft vermitteln, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollen und den gleichen Wert haben. Ihnen ist das Thema des Workshops wichtig, „das Sprayen ist ein spannender Nebeneffekt“. Bei Carl Kache und Franz Hofrogge war es genau andersherum. Sie erhofften sich, auf großen Wänden zu arbeiten und dabei die „Sprayerschrift“ zu erlernen.

Letzteres sei eigentlich nichts anderes als eine kalligrafische Übung, meint Mika Springwald. Und Sprayen sei einfach ein stetiges Ausprobieren und Machen. Nur so werde man kontinuierlich besser. Carl Kache und Franz Hofrogge planten Bilder zu den Themen „Black Lives Matter“ und LGBTQI. Matilda Kröger und Theresa Dröge arbeiten ebenfalls zusammen und haben sich für das Thema „Homosexualität“ entschieden. Fine Markus geht es um Alltagsrassismus und die Akzeptanz von Menschen. Ihre Freundin Silvana Walz wollte unter anderem auch das Thema Bodyshaming aufgreifen.

"Jedes umgestaltete Schild ist bereits ein Kunstwerk."Mika Springwald

Mika Springwald ließ die Jugendlichen ohne große Umschweife loslegen. Ausprobieren gehöre zum Prozess und es gehe darum, Spaß zu haben. „Durch Machen zum Ergebnis kommen“, nennt es der gebürtige Finne und fährt fort: „Jedes umgestaltete Schild ist bereits ein Kunstwerk.“ Dabei sei es wichtig sich zu reduzieren, nicht zu viel auf der kleinen Fläche unterbringen zu wollen.

Ein Verkehrsschild als Leinwand. Die 50 verschwindet unter der grauen Farbe.
Foto: Heinzel
Carl Kache und Franz Hofrogge wollen ihre Spraytechnik auch nach dem Workshop verfeinern
Heinzel
Nach der Auswahl des Motivs kommt das Ausschneiden der Schablone.
Heinzel
Hier gilt es genau zu arbeiten.
Heinzel
Dreitägiger Graffiti-Workshop in der Kunsthalle Cloppenburg.
Heinzel
Franz Hofrogge beschleunigt den Trocknungsprozess.
Heinzel
Silvana Walz entschied sich wegen des Themas für den Workshop.
Heinzel
Weitere Abdeckungen rund um die Schablone verhindern ungewünschte Ränder durch den Sprühnebel.
Foto: Heinzel
Gelungener 3D-Effekt.
Foto: Heinzel
Silvana Walz und Fine Markus arbeiten an ihren Kunstwerken.
Foto: Heinzel

Fine Markus findet das Sprayen sehr spannend und herausfordernd. Man müsse erst einmal ein Gefühl für die Dose entwickeln – also beispielsweise herausfinden, wie stark man drücken muss und welche Entfernung zum Schild notwendig ist. Zudem sei die Spraydose im Vergleich zum Pinsel eher unpräzise. Daher muss alles gut abgedeckt sein beim Sprayen mit Schablone – nicht, dass sich durch den Sprühnebel die Ränder der Schablone auf der „Leinwand“ abzeichnen. Technisch gesehen sei das auch eine Frage des richtigen Caps. Diese sind dafür verantwortlich, wie die Farbe komprimiert wird. Dabei gebe es etwa 30 bis 40 Möglichkeiten von sehr fein bis hin zum Sprühnebel.

"Die Sprühdose hat den Hauch des Verbotenen."Mika Springwald

Mika Springwald hofft auf „so viele Kunstwerke wie möglich“. Am Mittwochabend wollte er sich gemeinsam mit den Teilnehmern ein Ausstellungskonzept überlegen und umsetzen. Der gelernte Schlosser, Elektriker und Sozialarbeiter setzt auf Spaß und Aktivität. Sprayen habe eine gewisse Anziehungskraft auf Jugendliche. „Die Sprühdose hat den Hauch des Verbotenen“, meint Springwald. Graffiti-Workshops eigneten sich dementsprechend gut, Themen zu transportieren und mit den Jugendlichen auszuarbeiten. Die Gedanken und Botschaften der jungen Künstler lassen sich auf der abschließenden Vernissage gut betrachten.

Ein Stück Pappe dient als Spachtel, um damit die gesprayte Farbe zu verteilen. Foto: HeinzelEin Stück Pappe dient als Spachtel, um damit die gesprayte Farbe zu verteilen. Foto: Heinzel

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