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Als die Sommer noch Löcher hatten

Kolumne - Batke dichtet: Dank Corona bleibt dieses Jahr das nachrichtliche Sommerloch aus. Zeit, um in tierischen Erinnerungen zu schwelgen.

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Es ist an der Zeit, über das Sommerloch zu reden. Obwohl: In diesem Jahr kann es kein Sommerloch geben, denn wir haben ja Corona. Und das Virus, das wissen wir, stopft jedes Loch und lässt auch den Sommer, mithin also auch das Sommerloch, irrelevant erscheinen. Im Sommer, so dachten wir noch vor ein paar Monaten, könnten wir Corona abschütteln wie eine lästige Schmeißfliege. Wir haben uns geirrt.

Also müssen wir über Sommerlöcher zurückliegender Jahre sprechen, respektive über dessen Ausfüllungen in eigentlich nachrichtenarmen Zeiten, aus denen sich der Begriff Sommerloch speist. Und da sind wir schnell bei "Nessie“ - das vermeintliche Seeungeheuer aus dem schottischen Loch Ness liefert über Jahrzehnte verlässlich als Drache, Saurier oder Monsteraal Schlagzeilen in den Sommermonaten.

Tiere eignen sich gut für Sommerloch-Stories. Erinnern Sie sich noch an "Sammy"? Der 80 Zentimeter lange Brillenkaiman aus der Familie der Alligatoren war nach Aussage seines Besitzers Jörg Zars ein handzahmes Tier, das er an einer Hundeleine auszuführen pflegte. Bei einem Sonntagsausflug am 10. Juli 1994 entwischte Sammy seinem Halter und verschwand im Nievenheimer See bei Dormagen. Das "See you later, Alligator" zog sich. Zwischenzeitlich wurde sogar sein Tod von einem Polizeisprecher gemeldet, nachdem man sich mit Gewehren und Restlichtaufhellern auf die Jagd gemacht hatte. Doch einen Tag später tauchte der zähe Sammy wieder auf und wurde erst am 15. Juli von einem Sporttaucher erwischt - unversehrt. Herr Zars, so wollte es das Oberlandesgericht Düsseldorf, durfte den Kaiman nicht behalten. Das Reptil wuchs sich auf 1,50 Meter aus, wurde 24 Jahre alt und verschied 2013 auf einer Krokodil-Farm in Hessen.

"Wer in diesen Tagen ein echtes Sommerloch sucht, wird im Landkreis Bad Kreuznach fündig."Alfons Batke

Mehr als einen Monat hielt 2006 ein Braunbär namens Bruno die Nation in Atem. Erstmals seit 170 Jahren wurde diese Spezies wieder in Bayern gesichtet, und da Bruno nicht wählerisch war, wenn es um die Nahrungsbeschaffung ging, wurde er vom damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zum Problembären hochgestuft und zum Abschuss freigegeben. Nach Protesten von Tierschützern orderte die Staatskanzlei ein finnisches Betäubungskommando, doch die skandinavischen Spezialisten warfen nach zwei Wochen die Flinten ins Korn. Nach erneuten Raubzügen wurde Bruno schließlich am 26. Juni von einem Scharfschützen final niedergestreckt. In ausgestopfter Form ist er im Museum "Mensch und Natur" der Nachwelt erhalten geblieben.

Große Sommerloch-Verdienste hat sich auch der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Dionys Jobst erworben, der 1993 anregte, den Spaniern für 50 Milliarden Mark Mallorca abzukaufen und die Insel zum 17. Bundesland auszurufen. Die Schlagzeilen waren dem Hinterbänkler sicher, obwohl er die Äußerung nur im Scherz gemacht haben wollte. Die englische Presse nahm den Vorstoß dankend auf und malte ein düsteres Szenario: "Jedes Jahr zum Urlaub nach Deutschland", hieß es in der "Sun", "aber wir kämpfen um jeden Liegestuhl".

Ach ja: Wer in diesen Tagen ein echtes Sommerloch sucht, wird im Landkreis Bad Kreuznach fündig. Und von wegen Saure-Gurken-Zeit: Im beschaulichen 400-Seelen-Ort namens Sommerloch wird ein vortrefflicher Wein angebaut.

Zur Person: Alfons Batke ist Journalist und lebt in Lohne.

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