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Ackerbürgerhaus hofft auf baldige Öffnung

Im Ackerbürgerhaus in Vörden gehen die Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei erfahren sie wie die Bewohner dort früher gelebt haben. Auf dem Dachboden gibt es eine Dauerausstellung.

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Der Flugplatz Vörden als Modell. Foto: Heinzel

Der Flugplatz Vörden als Modell. Foto: Heinzel

Karl-Heinz Oevermann kennt sowohl das Ackerbürgerhaus als auch den Flugplatz Vörden aus seiner Kindheit. Im Ackerbürgerhaus besuchte er für kurze Zeit den Kindergarten. "Morgens gab es immer einen Pott Kakao", erinnert er sich. Das war 1943, erzählt der Vördener. Damals begann in Deutschland Nahrungsmittelknappheit zu herrschen, fährt er fort, daher sei ihm der Kakao als Besonderheit im Gedächtnis geblieben.

Heute befindet sich in dem Gebäude das Heimathaus mit Café und Museum. Es wird vom Heimatverein Vörden unterhalten und betrieben. Aber wie das - ebenfalls zum Heimatverein gehörende - Schlachtereimuseum ist das Ackerbürgerhaus seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie geschlossen. "Wir haben demnächst eine Vorstandssitzung des Heimatvereins und werden das Thema besprechen", sagt Schriftführer Oevermann und meint damit eine eventuelle Öffnung des Hauses. Bis Mitte März war das Heimathaus an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr für Besucher zugänglich.

Zwischen 1938 und 1944 nutze ein Kindergarten das Gebäude

Der Kindergarten war zwischen 1938 und 1944 im Ackerbürgerhaus untergebracht. In derselben Zeit entstand auch der Fliegerhorst, dessen Modell im Obergeschoss des Ackerbürgerhauses im Rahmen der Dauerausstellung ausgestellt ist. Die Flaktürme in der Nähe des Platzes schaute sich Oevermann als Sechsjähriger gegen Kriegsende genau an.

Karl-Heinz Oevermanns Vater hat noch die Behälter für diesen Vorläufer der Waschmaschine hergestellt. Foto: HeinzelKarl-Heinz Oevermanns Vater hat noch die Behälter für diesen Vorläufer der Waschmaschine hergestellt. Foto: Heinzel

Der Vördener ist mit dem Ackerbürgerhaus groß geworden. In seiner Jugend gab es einige davon im Ort. Das änderte sich im Laufe der 1960er bis 1980er Jahre. In diesem Zeitraum verschwanden die traditionellen Häuser, indem sie abgetragen oder so umgebaut wurden, dass sie kaum noch als solches erkennbar waren, erzählt Oevermann.

"Das war das letzte verbliebene echte Ackerbürgerhaus in Vörden."Karl-Heinz Oevermann

In den 1990er Jahren kam dann eine Diskussion um den Erhalt und die Nutzung des Gebäudes aus dem Jahr 1843 auf. "Das war das letzte verbliebene echte Ackerbürgerhaus in Vörden“, schildert Oevermann die Ausgangssituation für den Heimatverein - und das letzte seiner Art stand zu der Zeit bereits jahrelang leer und verfiel nach und nach.

Für ihn gehörten Ackerbürgerhäuser zum Alltag und waren somit eigentlich nichts Besonderes. Diese Sichtweise änderte sich, je mehr er sich mit dem Thema beschäftigte und er dabei half, es für die Nachwelt zu bewahren.

Am 14. August 1997 fiel der endgültige Startschuss für die Rettung des Ackerbürgerhauses. "Da hatte ich morgens die Zusage in der Post", erzählt Heimatvereinsvorsitzender Dieter Stahl und meint Fördergelder aus öffentlichen Mitteln von etwa 100.000 D-Mark. Im September 1997 legten die rund 35 Helfer des Heimatvereins los und bereits Ende November stand der Rohbau für die Restauration des Ackerbürgerhauses, also Fundamente und so weiter. Alles wurde sozusagen auf links gekrempelt, saniert und wieder aufgebaut.

Das Ackerbürgerhaus wurde 1843 in der Zweiständerbauweise errichtet. Foto: HeinzelDas Ackerbürgerhaus wurde 1843 in der Zweiständerbauweise errichtet. Foto: Heinzel

Fast zwei Jahre dauerte die Restauration. Im Juli 1999 eröffnete der Heimatverein die Pforten des Hauses. "Am Anfang wurde es sehr stark angenommen. Viele Besucher haben uns auch etwas mitgebracht, was sie auf ihrem eigenen Dachboden gefunden hatten. In den ersten zwei Jahren haben wir so wirklich viel bekommen", weiß Oevermann zu berichten. Mit den Schenkungen konnte nicht nur das Ackerbürgerhaus eingerichtet werden, sondern es entstand zudem die Dauerausstellung auf dem Dachboden. Dort werden die Lebensweise und das Handwerk früherer Jahrzehnte anschaulich dargestellt. Oevermann deutet beispielsweise auf den Vorläufer einer Waschmaschine und erzählt, wie sein Vater die Behälter dafür herstellte. Was unter sogenannten "Schnellfeuerhosen“ zu verstehen ist, erläutert er während einer zweistündigen Führung ebenfalls.

Auf Anmeldung führen er und Dieter Stahl Gruppen durch das Ackerbürgerhaus. Die Reaktionen der Besucher seien häufig sehr ähnlich: "Die meisten sagen, ach, das kenne ich von früher“, erzählt Oevermann. Das Ganze beruht natürlich auf ehrenamtlicher Arbeit, und daher ist der Heimatverein immer auf der Suche nach Verstärkung.

  • Info: Interessenten können sich unter 05495/9130 bei Dieter Stahl melden oder unter 05495/247 bei Karl-Heinz Oevermann.
Der Platz vor dem Kamin war der wärmste Ort im Ackerbürgerhaus. Dort versammelte sich dann auch die Familie. Früher wurde auch über dem Feuer gekocht. Karl-Heinz Oevermann (links) und Dieter Stahl kennen einen Teil der Geschichte des Gebäudes auch aus eigenem Erleben.
Foto: Heinzel
Für die Einrichtung des Ackerbürgerhauses wurde gerade in den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung Juli 1999  viel gespendet.
Foto: Heinzel
Ein Besuch im Ackerbürgerhaus ist auch  eine kleine Zeitreise.
Foto: Heinzel
Der Flugplatz Vörden als Modell. Entstanden ist er Ende der 1930er Jahre.
Foto: Heinzel
Diese Flaktürme kennt Karl-Heinz Oevermann noch. Als 6-Jährigen zog es ihn dorthin.
Foto: Heinzel
Zwischen 1938 und 1944 war ein Kindergarten im Ackerbürgerhaus untergebracht. Für kurze Zeit besuchten ihn auch Karl-Heinz Oevermann und sein Bruder. 
Foto: Heinzel
Bilder aus der Zeit als das Ackerbürgerhaus ein Kindergarten war.
Foto: Heinzel
Auf dem Dachboden ist u.a. altes Handwerk wie etwa eines Schuhmachers ausgestellt. 
Foto: Heinzel
Neben dem Ackerbürgerhaus ist noch das alte Eingangstor zu sehen.
Foto: Heinzel

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