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25 DJs aus dem Landkreis Vechta legen über Ostern für einen guten Zweck auf

Sie bringen wegen Corona abwechselnd gute Musik ins Haus. Der Erlös kommt der Familie eines Kollegen zugute, der in Australien verunglückt ist.

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Versprechen ein "mega Festival": Die DJs Joel Chedraoui (links) und Elmar Eckhoff aus Vechta. Foto: M. Niehues

Versprechen ein "mega Festival": Die DJs Joel Chedraoui (links) und Elmar Eckhoff aus Vechta. Foto: M. Niehues

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, DJ-Pulte, Boxen, Router und jede Menge Kabel müssen verbunden werden. 25 Diskjockeys , fast alle aus dem Landkreis Vechta wollen von Gründonnerstag bis Ostersonntag Musik auflegen. Weil wegen Corona keine Partys stattfinden dürfen, servieren sie abwechselnd ihre Mucke von zuhause oder vom Büro aus. Über das Portal Twitch gelangt der Hörgenuss dann zu den Interessierten.

Keine Party, keine Events, kein geselliges Zusammensein - vor allem junge und jung gebliebene Menschen leiden unter dem Corona-Lockdown. So erging es auch Joel Chedraoui und Elmar Eckhoff, zwei DJs aus Vechta, die nicht nur privat Musik auflegen. Chedraoui betreibt außerhalb des Lockdowns die Kneipe Charivari in Vechta, Elmar Eckhoff ist europaweit als Multimedia-Fachmann bei großen Veranstaltungen gefragt. Beide sind wegen Corona zum Nichtstun verdammt. Untätig sein gefällt ihnen aber nicht.

Schon seit Monaten machen sich Chedraoui und Eckhoff Gedanken, wie sie trotz Lockdown gute Musik und damit etwas gute Laune verbreiten können. Silvester hatten sie damit auf dem Streaming-Portal Twitch erstmals Erfolg. Sie legten Musik auf und hatten ruckzuck die ersten Fans gewonnen.

Kann kaum erwarten, dass das Streaming-Festival startet. Joel Chedraoui am DJ-Pult. Foto: M. NiehuesKann kaum erwarten, dass das Streaming-Festival startet. Joel Chedraoui am DJ-Pult. Foto: M. Niehues

"Wir haben ja sonst keine Möglichkeiten, aufzulegen", sagt Joel Chedraoui. Die positive Silvester-Resonanz hat aber beide beflügelt, mehr zu machen. Schon seit längerer Zeit bieten sie am Wochenende Musik-Streams an. Jetzt sei die Überlegung gewesen, wie verschiedene DJs nacheinander auflegen können. Denn wegen der Hygienevorschriften könnten sich ja nicht alle DJs an einem Ort aufhalten.

Schnell war die Idee geboren, dass sich alle nacheinander zuschalten, dass von Gründonnerstag bis Ostern ein Programm verschiedener Stilrichtungen von Techno über House bis zur chilligen Musik geboten wird. "Das hat ganz schnell eine Eigendynamik entwickelt, berichtet Joel Chedraoui. "Alle DJ-Kollegen wollten teilnehmen und zugeschaltet werden", berichtet er. Innerhalb kürzester Zeit hätten sich 25 DJs aus der Umgebung gemeldet, um mitzumachen - darunter bekannte Größen, aber auch Nachwuchstalente. So etwas soll es bisher bei Twitch noch nie gegeben haben. Unter dem Namen Lost_Kollektiv ist der Kanal bei Twitch registriert. Unter dieser Bezeichnung sind die DJs auch bei Instagram und Facebook zu finden. Dort soll auch das nähere Programm vorher bekannt gegeben werden.

Der Start des Streaming-Festivals ist jedenfalls am Donnerstag um 18 Uhr. Dass sich innerhalb kürzester Zeit so viele Musikgrößen gemeldet haben, liegt auch daran, dass die DJs mit ihrem Projekt einen Kollegen unterstützen wollen, der in Australien vor kurzem schwer verunglückt ist.

Besuche und Reha - das alles kostet viel Geld

Torsten Böckmann aus Bakum saß nach Angaben seines Bruders Daniel in einem Van, der sich bei einem Verkehrsunfall überschlug. Er wird jetzt intensivmedizinisch im Westen Australiens behandelt. Weil die Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule sehr schwerwiegend sein sollen, seien die Heilungschancen noch nicht klar abzusehen. "Aktuell befindet sich Torsten auf einem Weg der Besserung, woran auch seine Freundin vor Ort und sein starker Wille maßgeblich beteiligt sind", berichtet Daniel Böckmann. "Durch die große Entfernung kommen viele schwierige kostspielige Aufgaben auf uns zu, um Torsten zu besuchen und um ihm die Rehabilitation zu ermöglichen, die er benötigt", erklärt er weiter.

Hier wollen die DJs helfen. Sie wollen ihr Streaming-Festival über Ostern uneigennützig durchführen und über die Chatfunktion der Plattform Twitch immer wieder zu Spenden aufrufen, die direkt an die Familie gehen. Auch deshalb hoffen alle beteiligten DJs auf viele Zuhörer, damit ihr DJ-Kollege Torsten über die Resonanz möglichst große Unterstützung erfährt.

DJs sorgen sich, dass Kultur durch Corona verloren geht - und gründen einen Verein

Zugleich sind Joel Chedraoui und Elmar Eckhoff gerade dabei, über das Streamen hinaus einen gemeinnützigen Musik- und Kulturverein zu gründen. "Wir haben die Sorge, dass sonst viel Kultur durch Corona verloren geht", sagt Chedraoui. Das Ziel sei es, Angebote zu schaffen, um Kultur zu den Menschen zu bringen. "Wir wollen etwas Positives bewirken."

Zugleich geht es beiden darum, Kulturschaffende zu verlinken. "Es gibt viele Leute, die was machen, aber jeder so für sich", stellt Chedraoui fest. Deshalb sei es wichtig, die Kräfte zusammen zu führen - auch in der Hoffnung, dass bald wieder richtige Festivals mit vielen Besuchern möglich sind.

Zunächst aber geht es beiden darum, alle Vorbereitungen für das Streaming-Festival am Osterwochenende zu treffen. Die Technik und der Upload müssen stimmen. Zugleich versuchen die Veranstalter, möglichst viele Interessierte über Soziale Medien zu erreichen und zu begeistern. "Wir wollen, dass einfach viele Leute Spaß mit unserer Musik haben und, statt uns zu honorieren, spenden", betont Elmar Eckhoff.

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